Aquarell in Urban Sketching

Beitragsbild vom Projekt Aquarell in Urban Sketching, Titel mit zwei Aquarell Sketches

Mastering Aquarell in Urban Sketching ist ein Projekt rund ums Skizzieren und Aquarellieren, wenn man unterwegs ist. Also nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Dinge passieren: auf der Strasse, im Café, im Park oder im Zug.

Um meine Erkenntnisse festzuhalten und weiterzugeben, habe ich den Pocket Guide für Aquarell im Urban Sketching erschaffen. Das ist ein kurzer, digitaler Guide fürs Handy. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn man draussen skizziert, hat man keine Lust auf lange Erklärungen. Man will kurz etwas nachschauen und dann weitermachen. Genau dafür ist der Pocket Guide da.

Der Guide zeigt die wichtigsten Grundlagen für Aquarell im Urban Sketching: Material, ein paar Grundprinzipien, einfache Techniken, etwas Farblehre und typische Dinge, die draussen schnell schiefgehen können. Alles bewusst kurz gehalten und mit Zeichnungen ergänzt, damit man nicht viel lesen muss.



Hier ist der Link zum Pocket Guide als PDF:

https://www.mariareichmuth.ch/pocketguide.pdf

Erkenntnisse aus dem Projekt

Beim Arbeiten am Pocket Guide und beim Zeichnen draussen ist schnell klar geworden: Aquarell ist weniger Technik als Entscheidung. Draussen muss man sich festlegen, auch wenn man nicht sicher ist, ob es klappt.

Ein grosser Aha-Moment war das Verhältnis von Wasser und Farbe. Mit wenig Farbe und viel Wasser bleibt man flexibel. Sobald die Farbe zu satt ist, gibt es kaum ein Zurück. Das klingt banal, macht draussen aber einen riesigen Unterschied.

Auch Linien sind weniger wichtig, als man denkt. Ob man zuerst zeichnet oder zuerst malt, ist am Ende egal – solange man Linien nicht als Grenzen versteht, die man sauber ausmalen muss. Sobald man das loslässt, wirken die Skizzen freier.

Beim Thema Schatten hat sich gezeigt, dass Schwarz fast immer zu hart ist. Mit Blau oder gemischten Farben wirken Schatten ruhiger und passen besser zur Umgebung. Das hilft auch dabei, nicht alles gleich wichtig zu behandeln.

Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Fehler passieren draussen ständig. Wind, Zeitdruck, falsches Licht, zu viel Wasser. Wenn man versucht, alles zu retten, wird es nur schlimmer. Besser ist es, den Fehler stehen zu lassen und weiterzumachen.

Meine Aquarell Sketche

(vha)

Rückblickend bin ich grundsätzlich zufrieden mit dem Pocket Guide, auch wenn er klar einige Schwächen hat. Er richtet sich z.B. eher an Anfänger:innen oder an Personen, die nach längerer Zeit wieder mit Aquarell anfangen möchten. Vieles darin ist nicht besonders komplex und lässt sich relativ schnell verinnerlichen. Trotzdem glaube ich, dass diese Einfachheit für den Einstieg sinnvoll ist. Mein Guide will nicht alles erklären, sondern beim Zeichnen draussen weiterhelfen – und das funktioniert in vielen Fällen.

Sehr gut gelungen ist für mich die Mischung aus Text und Bild. Besonders freut mich, dass ich fast ausschliesslich mit eigenen Skizzen arbeiten konnte und diese auch wirklich etwas beitragen. Die Bilder sind nicht nur da, um hübsch auszusehen, sondern erklären mit. Dass das so funktioniert, kommt nicht von ungefähr: Ich habe den ganzen Sommer 2025 über aquarelliert und mein mobiles Equipment (alias Mini-Aquarellkasten und Notizbuch) ständig dabeigehabt. Diese Zeit draussen war für mich wichtig – nicht nur fürs Projekt, sondern auch, um Routine zu bekommen und meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Der Pocket Guide ist stark auf das grundlegendste reduziert, und das merkt man. Obwohl ich dies Reduktion so wollte, fühlt sie sich im Nachhinein aber auch wie eine Einschränkung an. Viele Themen habe ich nur angerissen oder bewusst weggelassen, obwohl ich dazu eigentlich mehr hätte sagen können. Während des letzten Jahres habe ich mir einiges an Tipps und Erfahrungen angeeignet, die im Guide keinen Platz mehr hatten. Irgendwann musste ich abbrechen und entscheiden, was drin bleibt und was nicht.

Ein weiterer Schwachpunkt in meinen Augen ist die fehlende Analyse der gezeigten Skizzen. Im Guide und in der Galerie sind viele Zeichnungen zu sehen, aber ich erkläre kaum, warum sie funktionieren oder wo sie scheitern. Man sieht Ergebnisse, aber nicht den Denkprozess dahinter. Gerade für Lernende wäre das wahrscheinlich hilfreich gewesen. Diese Lücke ist mir erst im Verlauf der Arbeit richtig bewusst geworden und hätte das Projekt klar vertieft.

Inhaltlich liegt der Fokus fast ausschliesslich auf Aquarell und Technik. Themen wie Bildaufbau, Perspektive oder Menschenzeichnen kommen kaum vor, obwohl sie für Urban Sketching eigentlich zentral sind. Dadurch bleibt das Projekt thematisch sehr schmal. Rückblickend ist mir aufgefallen, dass das „Urban“ im Urban Sketching etwas zu kurz gekommen ist. Ich habe mich stark auf das Medium konzentriert und weniger auf den Kontext, in dem gezeichnet wird.

Auch im Arbeitsprozess lief nicht alles sauber. Zu Beginn habe ich das InDesign-File im falschen Format angelegt, was mir später unnötig viel Arbeit beschert hat. Ich musste den gesamten Guide neu aufbauen, damit er auf dem Handy wirklich gut aussieht. Das war frustrierend und hätte sich mit besserer Planung vermeiden lassen.

Trotzdem passen Format und Inhalt grundsätzlich zusammen. Der Pocket Guide hilft beim Zeichnen, die Galerie zeigt echte Situationen und unperfekte Resultate. Zusammen ergibt das kein abgeschlossenes Lehrmittel, sondern eher einen ehrlichen Einblick in einen Lernprozess, der draussen stattfindet – mit Umwegen, Vereinfachungen und Dingen, die ich beim nächsten Mal anders machen würde.