30 Tage Instagram: Was passiert, wenn ich regelmässig poste?
Am 29. April startete ich ein Experiment: 30 Tage lang wollte ich jeden Tag auf Instagram posten. Der Anfang entstand eher organisch durch meine Zypern-Reise. Ich hatte dort viel mitgefilmt und veröffentlichte nach der Reise täglich ein Reel zu den einzelnen Tagen. Daraus entwickelte sich die Idee, nicht nur den Reisecontent zu posten, sondern meinen Instagram-Account konsequent mit neuen Inhalten zu bespielen.
In den 30 Tagen entstanden vor allem Reels, aber auch einzelne Bildbeiträge. Inhaltlich war das Projekt sehr breit: Zypern-Vlogs, Reisegedanken, relatable Content, Uni-Alltag, kleine Alltagsmomente, Podcast-Einblicke, Lip-Sync-Videos, Bodensee- und Wander-Vlogs sowie mein neues Format «Sunset Thoughts», in dem ich während eines Sonnenuntergangs persönliche Gedanken teile. Dazu kamen Beiträge zu Events, Freundschaften, Outfits und ein ehrlicher Post darüber, was hinter schönen Instagram-Bildern manchmal wirklich passiert.
Besonders spannend war für mich, dass in dieser Zeit meine ersten zwei viralen Videos entstanden. Eines davon handelte von der Schweiz, Schweizerdeutsch und einem Schweizer Song. Darin ging es darum, dass weltweit eigentlich nur sehr wenige Menschen Schweizerdeutsch verstehen und dass es deshalb etwas Spezielles, vielleicht sogar Privilegiertes ist, mit dieser Sprache und Kultur aufzuwachsen. Das andere Video zeigte eine Situation an der Uni, bei der wir für ein Projekt Schuhschachteln bastelten und ich dazu schrieb, dass es sich ein bisschen wie Kindergarten anfühle, wir dafür aber vier Credits bekommen. Beide Videos funktionierten, weil sie sehr relatable waren und viele Menschen sich darin wiedererkannten.
Innerhalb der 30 Tage erzielte ich rund 443’000 Aufrufe und 12’500 Interaktionen. Gleichzeitig wuchs meine Followerzahl nur um etwa 40 Personen. Das zeigte mir, dass Reichweite nicht automatisch Community-Aufbau bedeutet. Manche Videos bringen viele Views, führen aber nicht unbedingt dazu, dass Menschen dem Account langfristig folgen.



Trotzdem war das Projekt für mich sehr wertvoll. Ich kam schnell in eine Posting-Routine, verlor die Hemmung, auch spontanere Inhalte zu veröffentlichen, und verstand besser, welche Formate auf Instagram funktionieren. Überrascht hat mich vor allem, wie schnell sich das tägliche Posten normal angefühlt hat. Irgendwann war ich so in der Routine drin, dass ich gar nicht richtig bemerkte, dass die 30 Tage bereits vorbei waren. Weil mir das Produzieren und Posten Spass machte, habe ich nach dem Experiment einfach weitergemacht und poste weiterhin täglich, um meinen Account langfristig aufzubauen.
(mbi)
Das Ziel des Projekts war, 30 Tage lang konsequent auf Instagram zu posten und herauszufinden, welche Inhalte funktionieren. Rückblickend war der grösste Erfolg, dass ich überhaupt in eine Routine gekommen bin. Ich habe nicht mehr ewig überlegt, ob ein Video perfekt ist, sondern einfach gepostet. Gerade diese Regelmässigkeit hat mir geholfen, lockerer mit Content umzugehen und mehr auszuprobieren.
Gut funktioniert hat vor allem relatable Content. Die zwei viralsten Videos waren keine aufwendig produzierten Vlogs, sondern kurze, pointierte Beobachtungen: einmal zur Schweiz, einmal zum Uni-Alltag. Das zeigt mir, dass Videos dann besonders gut funktionieren, wenn sie schnell verständlich sind und viele Menschen sich darin wiederfinden. Auch Vlogs und persönlichere Inhalte kamen gut an, erreichten aber eher die bestehende Community als komplett neue Personen.
Ein weiteres positives Ergebnis war die Entwicklung neuer Formate. Besonders «Sunset Thoughts» möchte ich weiterführen und klarer etablieren. Das Format passt gut zu mir, weil ich Sonnenuntergänge liebe, gerne meine Gedanken teile, es persönlich ist und trotzdem visuell funktioniert. Auch Vlogs, Reisecontent und ehrliche Alltagsbeobachtungen möchte ich weiterhin posten, allerdings strukturierter als bisher.
Die grösste Schwäche des Projekts war die fehlende klare Linie. Ich habe sehr unterschiedliche Inhalte gepostet: Reisen, Uni, Podcast, Essen, Gedanken, Katzen, Lip-Syncs, Events und relatable Situationen. Das war zwar kreativ und abwechslungsreich, aber teilweise auch sehr random. Für die Zukunft brauche ich mehr Struktur und wiedererkennbare Formate, damit neue Menschen schneller verstehen, wofür mein Account steht. Gleichzeitig merke ich, dass mir genau diese Eingrenzung schwerfällt. Ich möchte meinen Account nicht nur auf ein einziges Thema reduzieren, weil ich gerne unterschiedliche Seiten von mir zeige: Reisen, Uni, Podcast, persönliche Gedanken, Humor und Alltag. Die Herausforderung wird deshalb sein, eine klare Linie zu finden, ohne dass der Account zu eng oder künstlich wirkt.
Auch die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. 443’000 Aufrufe und 12’500 Interaktionen in 30 Tagen sind stark, besonders für ein persönliches Instagram-Projekt. Gleichzeitig sind rund 40 neue Follower:innen eher wenig, wenn man bedenkt, dass ich jeden Tag gepostet habe. Daraus nehme ich mit, dass Reichweite allein nicht reicht. Ich muss stärker darauf achten, welche Inhalte nicht nur angeschaut, sondern auch mit meiner Person verbunden werden.
Mein wichtigstes Learning ist deshalb: Virale Videos bringen Sichtbarkeit, aber Formate und Persönlichkeit bauen Community auf. Relatable Content eignet sich gut, um neue Menschen zu erreichen. Vlogs, persönliche Gedanken und Inhalte vor der Kamera sind wichtiger, um eine langfristige Bindung aufzubauen. Für die Zukunft möchte ich deshalb weniger zufällig posten, mehr wiederkehrende Formate entwickeln und mich öfter direkt vor der Kamera zeigen und dabei reden.
Insgesamt war das Projekt zwar anstrengend, aber sehr lehrreich. Es hat mir gezeigt, dass regelmässiges Posten nicht nur eine Frage von Disziplin ist, sondern auch von Strategie. Die 30 Tage waren für mich deshalb kein abgeschlossenes Experiment, sondern eher der Startpunkt für einen bewussteren Aufbau meines Instagram-Accounts.