Aus der Szene über die Szene

In der Deutschschweizer Rap-Szene kennen sich die meisten. Wer über diese Musik schreibt, moderiert oder Podcasts macht, ist oft selbst Teil des Geschehens: befreundet mit Künstler:innen, managed sie oder ist vielleicht sogar selber Artist. Ich stecke mitten in dieser Doppelrolle: Ich rappe, mache Rap-Radio und möchte journalistisch über die Szene arbeiten. Meine Bachelorarbeit beschäftigt sich mit genau diesem Thema.

Thesis: Rollenverständnis und «Dual Allegiance» im Deutschschweizer Rap-Journalismus

Rap-Journalismus ist als eigenes Feld bislang kaum erforscht. Er lässt sich als Teilbereich des Kultur- und Musikjournalismus verstehen, folgt aber eigenen Regeln: Die Szene ist klein, persönlich dicht verflochten, und viele Berichtende kommen aus der Musik selbst. Genau hier setzt der Begriff der «dual allegiance» an – die doppelte Loyalität gegenüber der Szene einerseits und journalistischen Normen wie Unabhängigkeit und kritischer Distanz andererseits.

Ich gehe zwei Fragen nach: Welches journalistische Rollenverständnis haben Deutschschweizer Rap-Journalist:innen? Und wie handeln sie Szenenähe und Unabhängigkeit in ihrem Berufsalltag aus? Um das zu beantworten, habe ich leitfadengestützte Interviews mit Personen aus dem Feld geführt und sie mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Dass ich selbst Teil der Szene bin, verschweige ich dabei nicht, sondern mache meine Position im Methodenteil transparent – Nähe ist auch in der Forschung Ressource und Risiko zugleich.

Über die Selbstberichte der Befragten zeichnet sich ein klares Bild ab. Das Rollenverständnis ist in erster Linie vermittelnd, fördernd und kulturell eingebettet: Verantwortung wird stärker gegenüber Artists, Szene und Kultur empfunden als gegenüber einem distanzierten Publikum. Zugleich ist dieses Rollenbild ausgeprägt hybrid: die Befragten bewegen sich zwischen den Selbstbeschreibungen als Journalist:in, Vermittler:in, Host, Creator:in und Fan.

Beim Umgang mit der Szenenähe zeigt sich, dass diese nicht als einmalige Entscheidung zwischen Nähe und Distanz verhandelt wird, sondern als fortlaufende Regulierung einer Nähe, die Ressource und Risiko zugleich ist, abgesichert über individuelle, meist informelle Kriterien statt über ein festes Regelwerk. Damit bestätigt die Arbeit für den Deutschschweizer Rap-Journalismus das Konzept der «journalists with a difference» und zeigt zugleich, dass gerade die kleine, dicht verflochtene Szene diese Doppelbindung besonders verdichtet.

Lehrprojekt: der Videopodcast «Aui Mini Homies Mache Rap»

In meinem Lehrprojekt mache einen Köpfler in das in der Thesis analysierte Spannungsfeld. «Aui Mini Homies Mache Rap» – Schweizerdeutsch für «alle meine Homies machen Rap» – ist ein Videopodcast in drei Folgen, in dem ich Freunde aus der Deutschschweizer Rap-Szene zum Gespräch treffe. Der Titel ist Programm: Die nähe zu meinen Gästen ist Kern des Formats.

Der Gedanke dahinter: Ein szeneninterner Zugang erzeugt einen eigenständigen journalistischen Mehrwert. Über meine persönliche Beziehung zu den Gästen kommen Hintergründe zur Sprache, die in einem klassischen, distanzierten Interviewsetting kaum auftauchen würden.

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Aui mini Homies mache Rap ist nicht mein Ursprünglich geplantes Projekt. Ich musst recht spät im Prozess die Richtung ändern und unter Zeitdruck ein neues Projekt auf die Beine stellen. Das zeigt sich leider auch in der technischen Umsetzung

• Die Ausleuchtung war nicht ausreichend, entsprechend wurde mit einem zu hohen ISOWert gearbeitet. Das Ergebnis ist sichtbares Bildrauschen.

•Die Audioqualität ist mangelhaft. Die als Handmikrofone geführten DJI Mic Mini führten zu wechselnden Sprechabständen und einem unruhigen Klangbild.

• Die geplanten zusätzlichen Einblendungen konnten aus Zeitgründen nicht umgesetzt werden.

Auch inhaltlich bin ich nicht hundert prozentig zufrieden.
In der Folge mit JK habe ich mich zu weit ins persönliche Gespräch ziehen lassen und den Anschluss an die Rap-Thematik verpasst. Damit ist die angestrebte inhaltliche Balance in Folge 1 nicht erreicht. In den Folgen 2 und 3 gelingt sie meiner Einschätzung nach deutlich besser — die Gesprächsführung ist innerhalb der Staffel spürbar besser geworden, was für die Tragfähigkeit des Formatprinzips spricht.

Trotz der genannten Mängel halte ich die drei Folgen für gelungen. Angesichts des Zeitdrucks sind sie als Pilotfolgen beziehungsweise als Proof of Concept zu verstehen: Sie zeigen, dass der persönliche, szeneninterne Zugang inhaltlich trägt und ein eigenständiges Gesprächsergebnis erzeugt. Für eine Fortführung würde ich auf ein Dreikamera-Setup setzen. Es erlaubt Close-ups, erhöht die visuelle Varianz und vereinfacht den Schnitt erheblich, weil Sprechpausen und Schnittfehler über Perspektivwechsel aufgefangen werden können. Ergänzend braucht es eine kontrollierte Ausleuchtung und eine fixe Mikrofonierung statt handgeführter Mikrofone. Auf dieser Basis kann das Format technisch ausgereift weiterentwickelt werden.