UX-Writing für neurodivergente Nutzer:innen
Wie UX-Writing in Web-Interfaces die kognitive Barrierefreiheit für neurodivergente Nutzer:innen unterstützen kann
Buttons, Fehlermeldungen, Formularhinweise und Systemmeldungen führen Nutzer:innen durch digitale Prozesse. Sind diese Texte unklar, mehrdeutig oder unvollständig, können sie die Orientierung erschweren und zusätzliche kognitive Belastung erzeugen. Besonders für neurodivergente Nutzer:innen können komplizierte Formulierungen, fehlender Kontext und uneinheitliche Begriffe zu Barrieren werden.
Digitale Barrierefreiheit wird häufig vor allem als technische oder visuelle Aufgabe verstanden. Die sprachliche Gestaltung von Web-Interfaces wird dagegen bislang weniger systematisch berücksichtigt. Die Bachelorarbeit geht deshalb der Frage nach, wie UX-Texte in Web-Interfaces gestaltet werden können, um die kognitive Barrierefreiheit für neurodivergente Nutzer:innen zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht die Rolle von Sprache bei der Orientierung, der Nutzerführung und der erfolgreichen Ausführung digitaler Aufgaben.
Methodisch verbindet die Arbeit eine Literaturrecherche mit fünf halbstrukturierten Expert:inneninterviews aus den Bereichen UX-Writing, digitale Barrierefreiheit, Leichte Sprache und Neurodiversität. Ergänzend wurden ausgewählte Web-Interfaces vergleichend analysiert und ein qualitativer User-Test mit fünf neurodivergenten Nutzer:innen durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen, dass verständliche UX-Texte über kurze und einfache Formulierungen hinausgehen. Ebenso wichtig sind konkrete Fehlermeldungen, klare Handlungsanweisungen, relevante Kontextinformationen und eine vorhersehbare Nutzerführung. Aus den theoretischen und empirischen Erkenntnissen wurden sieben Gestaltungsprinzipien abgeleitet:
- Probleme und Systemzustände konkret benennen
- Klare Handlungsanweisungen geben
- Orientierung durch Kontext schaffen
- Unsicherheit reduzieren
- Relevante Informationen zum richtigen Zeitpunkt bereitstellen
- Informationen strukturieren und in kleine Einheiten aufteilen
- Texte durch visuelle Hinweise unterstützen
Die Prinzipien sollen Designer:innen, UX-Writer:innen und weitere UX-Professionals dabei unterstützen, kognitiv zugänglichere Interface-Texte zu entwickeln. Die Arbeit macht zugleich deutlich, dass Sprache nicht nur Inhalt transportiert, sondern ein zentraler Bestandteil der Interaktion und der digitalen Teilhabe ist.
Lehrprojekt
Aus den Erkenntnissen der Bachelorarbeit entstand eine interaktive Website zum Thema UX-Writing und Cognitive Accessibility. Sie richtet sich an Personen, die digitale Interfaces konzipieren, gestalten oder textlich begleiten.
Die Website vermittelt Grundlagen zu Neurodiversität und kognitiver Barrierefreiheit und stellt die sieben Gestaltungsprinzipien anhand konkreter Beispiele vor. Im Zentrum steht ein KI-gestützter UX-Writing Assistant: Nutzer:innen können eigene Interface-Texte eingeben und erhalten strukturiertes Feedback sowie alternative Formulierungen.
Das Tool soll menschliche Entscheidungen nicht ersetzen, sondern zur Reflexion über Sprache, Struktur und Klarheit anregen. Dadurch werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Bachelorarbeit in eine praktische Anwendung übertragen.
Link: UX-Writing Assistant