Im Abseits des Rampenlichts

Die PostFinance Women’s League, die IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft der Frauen, die Women’s Super League oder die Swiss Basketball League Frauen: Sie alle tragen den Zusatz «Frauen» oder «Women», damit klar ist, dass die Frauenmannschaft gemeint ist. Bei den Herren genügt hingegen der blosse Name der Sportart, denn in unserer Gesellschaft ist so verankert, dass wir bei Fussball ganz selbstverständlich an die Herren denken.

Wer Sportnews verfolgt, merkt schnell: Der grösste Teil dreht sich um Herren. Die Berichterstattung über Frauen im Sport liegt gerade einmal bei rund 15 Prozent. Erschreckend, oder? Fand ich zumindest und habe meine Bachelorarbeit deshalb dem Schweizer Frauen-Eishockey gewidmet. Meine Forschungsfrage lautet: Welche Faktoren beeinflussen die digitale Berichterstattung über das Schweizer Frauen-Eishockey bei SRF, und welche konkreten Ansatzpunkte ergeben sich daraus für Verband und Clubs zur Steigerung der medialen Sichtbarkeit?

Um das herauszufinden, führte ich eine qualitative und quantitative Medienanalyse der SRF-Web-Plattform und der SRF-Sport-Instagram-Seite durch, ergänzt durch drei Experteninterviews mit unterschiedlichen Positionen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Spielerinnen eher neutral und positiv dargestellt werden. Berichtet wird jedoch nur selten über die PostFinance Women’s League, und wenn überhaupt, dann über die Nationalmannschaft an Grossanlässen. Die Fachpersonen betonen, dass das Frauen-Eishockey nicht als Zusatzprodukt der Herren gesehen werden darf, sondern als eigenständiges Produkt. Potenzial gibt es sowohl bei Verband und Clubs als auch bei Medien wie SRF: eine professionellere Liga schaffen und häufiger berichten, damit die Sportart wachsen und ein grösseres Publikum erreichen kann. Konkrete Massnahmen und weitere Befunde folgen in der Thesis.

Ergänzend dazu entstand eine Dokumentation über die Berichterstattung von SRF an der Heim-Weltmeisterschaft 2026 der Herren. Drei Tage lang begleitete ich vier zentrale Positionen: Projektleitung, Moderation, Reporter und Social Media. Die Doku wirft einen Blick hinter die Kulissen eines Grossanlasses und zeigt, wie über die Sportart berichtet wird. Planung, Organisation, Shotlist, Schnitt und Teile der Aufnahmen habe ich selbst übernommen. Beim Filmen der Planungssitzung unterstützte mich Luca Lauener, während der Eishockey-WM stand mir Lorin Zimmermann zur Seite. Da die Thesis auch untersucht, wie unterschiedlich Frauen und Herren dargestellt werden, ist es besonders spannend zu sehen, was hinter den Kulissen einer solchen Berichterstattung tatsächlich abläuft. Die Dokumentation wird zu einem späteren Zeitpunkt publiziert.

Thesis

Ich war von Anfang an sehr in mein Thema investiert, vielleicht sogar etwas zu sehr. So kam es, dass ich mich in der Theorie und in der Recherche ein Stück weit verlor und dadurch in meinem Zeitplan in Verzug geriet.

Überhaupt war mein Zeitplan sehr knapp berechnet. Wie viel Zeit die einzelnen Schritte tatsächlich brauchen, habe ich deutlich unterschätzt. Zwar stiess ich in der Thesis auf keine grösseren unvorhergesehenen Probleme, und trotzdem wurde ich erst einen Monat nach dem geplanten Ende fertig.

Für meine Bachelorarbeit habe ich ein Thema gewählt, das im Eishockey viele Menschen bewegt. Schon während des Prozesses fragten mich einige, ob sie meine Arbeit lesen dürfen, sobald sie fertig ist. Für mich war das eine schöne Bestätigung, dass ich mein Ziel erreicht habe: eine Bachelorarbeit zu schreiben, die am Schluss nicht einfach in einer Schublade verschwindet.

Lehrprojekt

Auf dem Weg zum fertigen Lehrprojekt habe ich enorm viel dazugelernt. Bereits im Dezember fragte ich bei SRF nach, ob ein solches Projekt überhaupt möglich wäre. Es kam rasch zu einem ersten Meeting, und von Beginn an unterstützte mich das Team, wo es konnte. Das war für die gesamte Planung und Umsetzung eine grosse Hilfe.

Rechte: Einige Monate vor der WM klärte ich die Rechtefragen ab, da die Übertragungen während der Spiele nicht über SRF liefen. Auch hier erhielt ich das Go, verbunden mit einigen Bedingungen, die für mich in Ordnung waren. Während der WM änderten sich diese Bedingungen mit der externen Firma dann jedoch plötzlich, und es kam zu vielen Anpassungen. Daraus habe ich viel mitgenommen: künftig immer einen Vertrag aufsetzen und solche Punkte lieber im Meeting als per E-Mail klären. So lassen sich Missverständnisse vermeiden.

Schnitt: Der Schnitt stand für mich zunächst nicht im Vordergrund, da ich hier am wenigsten Erfahrung mitbrachte. Rückblickend habe ich aber gerade in diesem Bereich am meisten gelernt. Die Grundlagen kannte ich zwar, doch eine so lange Dokumentation hatte ich noch nie geschnitten. Dazu kam, dass wir alle Aufnahmen im S-Log gefilmt hatten, sodass ich im Nachhinein das Color Grading übernehmen musste. Das war komplettes Neuland, und YouTube-Videos halfen mir dabei sehr.

Länge: Bei der Länge verschätzte ich mich deutlich. Ich rechnete mit 10 bis 15 Minuten, doch nach drei Filmtagen hatte ich so viel starkes Material, dass die Dokumentation am Ende 23 Minuten lang wurde. Damit alle vier Positionen so zur Geltung kamen, dass man nachvollziehen kann, wie ihre Arbeit an einem Grossanlass aussieht, brauchte die Dokumentation diese Länge. Deshalb entschied ich mich, sie so zu belassen und nicht auf die ursprünglich geplante Dauer zu kürzen.