Tanzprozess – Vom Training zum Tanzvideo
Wie kann ich mein Interesse am Tanzen mit dem Erlernen von Kameraarbeit und Schnitt verbinden? Diese Frage stand am Anfang meines Digezz-Projekts. Ich wollte ein Projekt umsetzen, bei dem ich während des gesamten Prozesses möglichst viel dazulerne. Die Idee war, wöchentliche Tanztrainings filmisch zu begleiten. Dabei wollte ich verschiedene Tänze erlernen, mit der Kamera experimentieren und das gesammelte Material am Ende zu einem Video zusammenschneiden.
Prozess
Der aufwändigste Teil des Projekts waren die wöchentlichen Filmsessions. Da es sich um ein Trainingsvideo handelte, lernte ich an jedem Filmtag einen neuen Tanz. Im Nachhinein war das deutlich anspruchsvoller, als ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte. Neben dem Tanzen übernahm ich auch Kamera, Planung und Postproduktion selbst. Dadurch stand ich gleichzeitig vor und hinter der Kamera, was eine coole Herausforderung war.
Bei diesem Projekt experimentierte ich viel. Ich verwendete bis zu fünf verschiedene Kameras, spielte mit Einstellungen, Perspektiven und zusätzlichem Equipment, wie zum Beispiel ausgeliehenen Neonröhren, um gewisse Szenen visuell spannender zu gestalten.
Rückblickend hat sich dieses Experimentieren auf jeden Fall gelohnt. Vor dem Projekt hatte ich noch wenig Erfahrung mit Kameraführung. Jeder Filmtag brachte neue Erkenntnisse mit sich und zwang mich dazu, praktische Lösungen zu finden. Gleichzeitig hatte diese Herangehensweise auch Nachteile. Besonders in der Postproduktion merkte ich die Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Kameras. Aufnahmen mit der DJI Osmo wirkten verständlicherweise deutlich weniger hochwertig als jene, die ich mit der Sony A7 IV gefilmt hatte. Trotzdem entschied ich mich, auch dieses Material zu verwenden, weil es Teil des Prozesses war.


Konzept und roter Faden
Beim Planen des Videos war mir schnell klar, dass ich den Trainingsprozess mit schnellen Schnitten und dynamischen Sequenzen zusammensetzen wollte. Nachdem ich bereits einiges an Videomaterial gesammelt hatte, wurde mir jedoch bewusst, dass das Video zusätzlich einen klareren roten Faden braucht.
Daraufhin überarbeitete ich mein Konzept nochmals. So entstand die Idee mit den Kopfhörern und dem Musikhören. Dieses Element sollte das Video stärker leiten und den einzelnen Tanzsequenzen einen Rahmen geben. Obwohl es ursprünglich eher als Trainingsvideo gedacht war, wollte ich dem Ganzen dadurch einen filmischeren Look verleihen.

Postproduktion
In der Postproduktion war ich zu Beginn von der Menge an Material ziemlich überwältigt. Durch die vielen Filmtage hatte ich sehr viele Clips gesammelt. Dazu kam, dass einige Tanzaufnahmen aufgrund von Fehlern oder Patzern nicht verwendbar waren. Der erste grosse Schritt bestand deshalb darin, das gesamte Material zu sichten, auszusortieren und zu strukturieren.
Anschliessend baute ich das Video Schritt für Schritt in Premiere Pro auf. Dabei experimentierte ich viel mit Masken, Effekten, Grafiken, Schnittsequenzen und Übergängen. Mir war wichtig, dass auch die Postproduktion ein Lernprozess bleibt und ich verschiedene Möglichkeiten ausprobiere.








Color Grading
Da sämtliche Aufnahmen im S-Log-Profil gefilmt wurden, bot das Rohmaterial viel Spielraum für die spätere Farbgestaltung. Gleichzeitig war das Color Grading für mich auch eine Herausforderung, da die verschiedenen Kameras unterschiedlich wirkten und nicht jedes Material gleich gut bearbeitet werden konnte.
Teilweise musste ich Videomaterial retten oder anpassen, weil mir gewisse Fehler erst im Schnitt aufgefallen sind. Das zeigte mir auch, wie schwierig es ist, alles im Blick zu behalten.


Musik und Sounddesign
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts war die Musik. Zu Beginn hatte ich bei Universal Music einen Antrag für die Lizenz- und Verlagsrechte eines Songs gestellt. Da die Rückmeldungen und die Kommunikation jedoch zu viel Zeit in Anspruch nahmen, entschied ich mich später für einen lizenzfreien Song.
Dadurch musste ich meine erste Videoversion verwerfen und nochmals neu beginnen. Rückblickend bin ich mit dieser Entscheidung aber zufrieden, da der neue Song gut zum Konzept passt.
Weniger kompliziert als die Suche nach passender lizenzfreier Musik waren die zusätzlichen Soundeffekte. Besonders wichtig war mir bei den Szenen, in denen ich die Kopfhörer aufsetze, einen Effekt zu erzeugen, bei dem die Musik zuerst so klingt, als würde man sie von aussen hören. Erst beim Aufsetzen der Kopfhörer sollte sie vollständig und klar erklingen. Dafür arbeitete ich mit Effekten und Audiobearbeitungen in Premiere Pro.

Finales Video
(mbi)
Das Projekt war, wie von Anfang an gewünscht, ein echter Lernprozess. Ich konnte mich nicht nur tänzerisch weiterentwickeln, sondern auch in der Kameraführung, im Schnitt, im Color Grading und im Sounddesign viel dazulernen. Genau deshalb bin ich froh, dass ich dieses Projekt in dieser Form umgesetzt habe.
Rückblickend würde ich dennoch einiges anders machen. Besonders in der Postproduktion merkte ich, dass die Verwendung unterschiedlicher Kameras ein Nachteil war. Die Qualitätsunterschiede waren deutlich sichtbar und erschwerten die Bearbeitung. Beim nächsten Mal würde ich versuchen, möglichst einheitlich mit einer Kamera zu filmen und bereits während des Drehs stärker auf störende Elemente im Bild zu achten. Vor allem bei den Aufnahmen mit den Neonröhren habe ich zu wenig auf das Framing geachtet. Dadurch waren im Bild Elemente sichtbar, die ich später in der Postproduktion nicht mehr zufriedenstellend korrigieren konnte. Auch bei der Musik musste ich einen Kompromiss eingehen, da ich meine ursprünglich gewünschte Musik leider nicht verwenden konnte.
Insgesamt bin ich mit dem Resultat zufrieden. Ich konnte aus diesem Projekt sehr viel mitnehmen. Es hat mir gezeigt, wie anspruchsvoll es ist, ein Video von der ersten Idee über die Aufnahme bis hin zur fertigen Postproduktion selbst umzusetzen. Gleichzeitig hat es mir aber auch sehr viel Spass gemacht und mir gezeigt, wie viel man durch Ausprobieren, Fehler und Wiederholen lernen kann.