Radiohead in St.Triphon

Am 20.09.2012 fand im Steinbruch von St. Triphon das einzige Schweizer Konzert im Jahr 2012 der Kultband “Radiohead” statt.
Als Vorband spielte Caribou, eine faszinierende Elektronik-Truppe rund um Frontmann und Gründer Dan Snaith. Es folgt ein Erlebnisbericht. Etwas schon vorweg: Es war grossartig.

Um 11:22 Uhr begann meine lange Reise. Das Ziel war Lausanne, wo ein Shuttlebus wartete und uns direkt ans Konzert bringen sollte. Radiohead. Ich konnte es noch immer kaum glauben, dass ich endlich Radiohead sehen sollte. Sie sind heute schon von einer fast ehrwürdigen Kult-Wolke umgeben und werden (von mir) als die Pink Floyd unserer Generation angesehen. Mit jedem ihrer Alben haben sie sich auf ihre Weise weiterentwickelt. Nicht immer neu, aber immer anders.

Die Organisation dieses Konzerts im wunderschönen Steinbruch wurde den Musikern des Abends leider nicht gerecht. Genauer gesagt war die Organisation wirklich schlecht. Begonnen hat es mit einer Verspätung der Busse, was kein Problem wäre, wenn wir nicht die DJ-Sets von Thom York und Dan Snaith verpasst hätten. Beim Eingang waren 3 Toi-Toi WC’s. Nicht annähernd genug für den Ansturm an Menschen. Es gab nur eine kleine Bar, bevor man auf das Gelände kam, und deren Mitarbeiter schienen sich nicht besonders um Effizienz zu bemühen. Naja, alles nicht so schlimm, ganz im Gegensatz zum nächsten Dämpfer. Mein Ticket wurde nicht angenommen. Es sei schon jemand mit diesem Strichcode reingegangen, meinte die Frau am Schalter. Die Tickets waren direkt aus dem Internet ausgedruckt und nicht von irgendwem abgekauft oder kopiert. Es musste also ein Fehler im System oder ein Sicherheitsleck sein. Nach langem Diskutieren in gebrochenem Französisch, von einigen Schaulustigen umgeben, durfte ich dann doch rein. Gut, Krise abgewendet.

Kaum auf dem Gelände angekommen, wartete aber schon die nächste Überraschung: Man konnte an den Bars und Essensständen nichts (gar nichts, nicht einmal Wasser) ohne Bon kaufen. Diese Bons musste man sich an den Kassen kaufen. Und von diesen Kassen gab es 4. Für 20’000 Leute. Wir mussten also zuerst eine Stunde anstehen, um Bons für Essen und Trinken zu kaufen. Und natürlich war alles überteuert. Ist aber auch nicht so schlimm, denn es geht ja um die Musik. Aber leider haben wir wegen dem langen anstehen die Vorband Caribou nur aus der Ferne gesehen.

Der Sound von Caribou ist einzigartig und tiefgründig. Wer es nicht kennt, sollte sich unbedingt das Album “Swim” anhören. Das Konzert war wirklich gut, obwohl ich ja nicht voll und ganz dabei war.

Doch kommen wir zu Radiohead. “Thanks for coming out in the cold to… wherever we are”, war einer der wenigen Sätze die man von Thom York zu hören bekam. Doch viele Worte waren sowieso nicht notwendig. Musik pur und die bunte Lichtshow mit einer riesigen LED-Wand und beweglichen Bildschirmen reichte völlig aus, um die Zuhörer in eine andere Dimension zu katapultieren. Thom sagte nicht viel, und auch seine berühmten Nicht-von-dieser-Welt-Tänze waren sehr selten zu sehen. Vielleicht lag das auch an dem tragischen Unfall im Juni, welcher die Band schwer getroffen hatte.

Und doch war Thom das prägende Stilelement, getrieben und gesteuert von Musik. Umgeben von verrückten Wissenschaftlern, die sich in voller Hingebung in der Erstellung dieser perfekten Soundkulisse verloren hatten. Die Bildschirme zeigten die Musiker aus verschiedenen und ungewöhlichen Perspektiven, was entfernt an einen zerbrochenen Spiegel erinnerte. Das gesamte Bühnenbild verwandelte sich mit der Musik und versetzte das Publikum bei jedem perfekt abgestimmten Wechsel in Euphorie. Es wurden vor allem neuere Songs gespielt, auch einige vom nächsten Album.

Das Konzert war wirklich grossartig und begeisterte mich vollkommen. Radiohead verbindet genial produzierte Alben mit der lebendigen und dynamischen Seele eines Liveacts und lässt daraus etwas entstehen, das mehr ist als die Summe seiner Teile.