Ist es so …?

Ein Student besuchte Saudi Arabien und vergleicht nun sein Erlebtes mit den hier vorliegenden Vorurteilen. Manche wurden bestätigt, manche wurden komplett verworfen.

 


…das Gott Gesetz ist?
Obwohl das saudische Königsreich eine absolute Monarchie ist, gilt hier: Laut Grundordnung sind Staat und Religion nicht getrennt. Viele Gesetze werden mit religiösem Hintergrund legitimiert. Bis heute bestimmen der Islam und Stammestraditionen die gesamten gesellschaftlichen Strukturen des Landes.


…dass sie wirklich so stark ihren Glauben leben?
Im Islam gibt es fünf Säulen. Dies sind die Grundpflichten, die jeder Muslim erfüllen sollte. Auch ich habe manche von ihnen im Alltag angetroffen.
1. Schahada
(islamisches Glaubensbekenntnis) – Wird jeden Tag im Gebet ausgeprochen
2. Salat (fünfmaliges Gebet) – Wird immer ausgeführt, egal ob Meeting oder bei der Autofahrt. Alles wird gestoppt und es wird gebetet.
3. Zakat (Almosensteuer) – Des Öfteren wird armen Leuten die in Staus an den Autoscheiben betteln, etwas zugesteckt.
4. Saum (Fasten im Ramadan)  – Zu meiner Zeit nicht aktiv, mir wurde aber rege berichtet. Während dieser Zeit reisen sie viel. Ein Reisender darf essen und trinken. Das ist der Grund, warum zu dieser Zeit alle Hotels und Flüge in Saudi ausgebucht sind.
5. Hatsch (Pilgerfahrt nach Mekka) – Im ganzen Land sieht man Pilger…aus verschiedenen Nationen – mit Gruppenzugehörigkeits-Shirts machen sie sich auf  zu ihrer straff organisierten Busfahrt.


…dass die Frau nichts zu sagen hat?
Im Gegenteil. Sie hat einen extrem hohen Stellenwert in der Familie und ist nicht selten das „inoffizielle“ Oberhaupt. Bei wichtigen Fragen ist es doch eher die Frau, die die Entscheidungen trifft. Dies hört man immer wieder von den saudischen Männern. Und vergesst das Vorurteil, dass der Mann zehn Schritte voraus geht.


…dass öffentliche, freundschaftliche Berührungen unter Männern gang und gäbe sind?
Ob bei einer ausgiebigen Begrüssung oder beim gemeinsamen Schlendern zweier Männer über den Suq (arabischer Markt). Händchenhalten ist hier keine Seltenheit und unter guten Freunden sogar unabdingbar. Je länger und intensiver die Berührungen, desto höher ist der Bekanntheitsgrad und die Wertschätzung. Am Anfang wurde ich mit Handschlägen begrüsst und im Laufe einer Woche wurden daraus lange Umarmungen mit anschliessendem „kurzen“ Händchen halten. Zugegeben etwas komisch für uns West-Europäer aber wenn man die Bedeutung kennt, freut man sich eher darüber, dass man akzeptiert wird.


…dass Mann und Frau nicht Händchen halten?
Durchaus sieht man auch Paare, die Händchen halten. Zwar nicht in der Häufigkeit wie die Männer aber es kommt auch in der Öffentlichkeit vor.


…dass man die traditionelle Kleidung des Landes nicht anziehen sollte?
Meint man es ernst, ist es kein Problem die Dishdashah (langes Gewand) zu tragen. Es wird eher als Kulturaustausch angesehen. Wobei man doch den Kopfschmuck weglassen sollte. Das geht dann doch zu sehr in die traditionelle Art und Weise, die Kleidung zu tragen. Andere Araber wie Syrier, Marokkaner und Ägypter die in Saudi leben, tragen die Dishdashah allerdings nicht. Sie haben ihre eigenen traditionellen Gewänder, die sie dort tragen.


…dass man die linke Hand aus dem Spiel lassen sollte?
Generell gilt die linke Hand als unrein. Begrüssungen werden wie gewohnt mit rechts durchgeführt. Und gegessen habe ich in den 10 Tagen nicht einmal mit den Händen. Beim Niesen und Husten habe ich aber auch immer drauf geachtet, die linke Hand zu benutzen.


…dass man auf das Bilderverbot des Islam Rücksicht nehmen und sich mit dem Photographieren von Menschen zurückhalten sollte?
Also ich habe in der Zeit, in der ich da war, unzählige Photos geschossen. Mir hat man gesagt, es sei kein Problem. Nur das gezielte Fotografieren von Frauen sollte man unterlassen. Ansonsten hab ich ohne Probleme meine Kamera auf eine Menschenmenge gerichtet und munter drauf los photographiert.