Anonymität im Netz

Informationen sind das Gold des Internets. Beim Surfen generieren wir alle Umsatz. Wir lassen uns analysieren und diese Daten werden weiterverkauft. Fakten, die den meisten bewusst sind und doch werden sie aus Bequemlichkeit oft ignoriert. Es gibt sehr einfache Methoden für mehr Privatsphäre im Internet. Hier ein kleiner Überblick.

Anonymisierung im Internet ist ein kontroverses Thema. Datenschutz ist allgegenwärtig. Grund genug, um sich über sein eigenes Surfverhalten Gedanken zu machen. Möchte ich personalisierte Werbung auf meinem Bildschirm oder blockiere ich lieber ein Flut von uninteressanten Werbeanzeigen? Ist es mir egal, dass Facebook mein Surfen trackt? Für jene, die sich dieser “beobachteten” Situation nicht wohl fühlen, gibt es einige Tools. Sie werden hier kurz vorgestellt.

Private Browsing

Jeder moderne Browser besitzt einen “Incognito-Modus”. Dieser verwischt die Spuren lokal auf dem Endgerät. Er verhindert, dass der Verlauf oder Downloads aufgezeichnet werden. Auch das Speichern von (Flash)Cookies wird verhindert. Man sollte jedoch beachten, dass dies nur für den eigenen Rechner gilt. Für alles andere findet keine Anonymisierung statt.

Browser Extensions

Ein guter Kompromiss, der die Bequemlichkeit beim Surfen nicht einschränkt, sind Erweiterungen für den eigenen Browser. Ein beliebtes Beispiel ist Adblock Plus. Dieses Plugin blockiert Werbungen und Pop-Ups, verhindert jedoch kein Tracking. Es werden also immernoch Daten zum Surfverhalten an den Hersteller übermittelt. Für die Kontrolle über Trackingdienste empfehle ich Ghostery. Ghostery gibt es für alle gängigen Browser. Mit diesem Tool werden beim Aufruf einer Seite die Dienste aufgelistet, die Trackingdaten übermitteln. Sie können dann einzeln blockiert werden. Sehr empfehlenswert für die eigene Privatsphäre!

Tor

Tor ist für jene geeignet, die ihre Internetdaten komplett anonymisieren möchten. Der Datenverkehr wird auf TCP-Ebene verschlüsselt und kann fast nicht mehr analysiert werden. Tor steht für The Onion Ring, was die Bezeichnung für das Tor-Netzwerk ist. Es besteht aus einer grossen Anzahl an Tor-Servern, über die der Verkehr geleitet wird. Nachdem der Client installiert wurde, wählt dieser eine zufällige Route. Die Verbindungsstrecken werden ca. alle 10 Minuten erneuert. Tor ist jedoch noch in der Startphase und noch nicht voll ausgereift. Aber wer sich etwas damit befassen möchte, wird schnell eine sichere Verbindung zu Stande bringen. Dazu gehört aber noch etwas mehr als nur die Installation des Clients. Weitere Informationen unter https://www.torproject.org/

VPN

Die Funktionsweise von VPN ist wahrscheinlich vielen bekannt. Trotzdem hier nochmals zusammengefasst: Ein Virtual Private Network (kurz VPN) ist ein Verbund mehrer Rechner aus verschiedenen Netzwerken über ein öffentliches Netz (Internet). Jeder Client muss authorisiert werden, was den Zugang für Hacker sehr schwer macht. Bildlich gesagt ist eine VPN-Verbindung wie ein sehr langes Kabel direkt ins entfernte Netzwerk. Dies ist natürliche vor allem für Firmen mit mehreren Standorten interessant. Aber auch Privatanwender können VPN nützlich finden. Zum Beispiel wenn man einem öffentlichen W-Lan (Flughafen, Restaurant…) nicht ganz vertraut. Es gibt verschiedene Anbieter in der Schweiz. Grundsätzlich sollte man kostenpflichtige verwenden, da es bei Gratisanbietern ein gewisses Risiko auf Weiterverkauf gibt. Ein möglicher Anbieter wäre SUISSL

Wegwerf Email

Ein eher neues Phänomen sind temporäre Email-Adressen. Sie kommen zum Einsatz, wenn man ohne Anmeldung eine anonymes Emailkonto eröffnen will, welches nach der Erfüllung seines Zwecks automatisch wieder gelöscht wird. Also zum Beispiel für die Erstellung eines Benutzerkontos auf einer Seite, der man nicht ganz traut. Anbieter gibt es viele, einer davon ist Mailinator.

Und jetzt? 

Ein offensichtlich riesiger Nachteil der Anonymisierung ist der Missbrauch. Egal ob Hacking, Cybermobbing, Hetzerei oder der Gebrauch von illegalem Material – sich selbst zu verstecken ist allzu einfach.

Es werden immer mehr Stimmen für komplette Transparenz laut. Zum Schutz der Allgemeinheit. Doch wo führt das hin? Muss man sich irgendwann persönlich authentifizieren um überhaupt ins Internet zu kommen? Wäre dann das Internet ein Kontrollinstrument? Die bereits jetzt schon unglaublich umfangreichen und genauen Benutzerprofile von uns könnten ein genaues Abbild unseres digitalen Ichs werden. Sozialstatus, Gesundheit, Vorlieben, Ängste und Interessen. Die Liste ist endlos. Uns ist oft gar nicht klar wie viel wir denen preisgeben, die wissen wie sie die Daten interpretieren müssen. Oder wäre Transparenz förderlich für einen gesünderen Umgang mit dem Internet? Die Diskussion ist endlos und geht von Persönlichkeitsschutz bis Urheberrecht. Doch spätestens seit es Revolutionen via Facebook und Twitter gibt, wissen wir: Die Macht der digitalen Gesellschaft ist gross und unberechenbar.

Anonymität ist eine wichtige Waffe gegen Datensammler und für den Persönlichkeitsschutz. Doch sich hinter einer Maske zu verstecken und Überwachungsstaat sind zwei ganz verschiedene Dinge.